Schokolade

Ein Kind kostet 230,- Euro. Möglicherweise verhandelbar. Dafür gehört einem das Kind dann, man kann damit quasi machen, was man will.
Respekt und Danke, Miki Mistrati. Ich muss jetzt erstmal eine Runde heulen.

16 Kommentare

  1. dorothy_jane Dienstag, 5. Februar 2013 um 16:27 Uhr [Link]

    ich heul mit. was für eine welt….

    Antworten

  2. Isabel Bogdan Dienstag, 5. Februar 2013 um 16:48 Uhr [Link]

    Und da fehlt ja vermutlich ziemlich viel. Über die eigentliche Arbeit auf den Plantagen und die Behandlung der Kinder.

    Antworten

  3. Liisa Dienstag, 5. Februar 2013 um 16:50 Uhr [Link]

    Ja, es ist zum Heulen und so frustrierend, weil die Frage, was man dagegen tun kann und was dann auch dauerhaft Erfolg hätte und solche Dinge abstellen würde, wie so oft bei solchen Filmen und Themen, schlicht offen bleibt. Keine Schokolade mehr kaufen und essen? Das ändert rein gar nichts für diese Kinder. Selbst wenn wir alle auf einen Schlag keine Schokolade und Schokolade-Produkte mehr kaufen und verzehren würden, es würde die ursprünglichen Probleme nicht beheben. Der Kakaobohnen-Handel in diesen Ländern würde zusammenbrechen, damit eine wichtige wirtschaftliche Säule des Landes, die Existenz vieler Menschen vor Ort wäre schlagartig bedroht wenn nicht zerstört. Diese Länder können ja nicht einfach auf andere Produkte ausweichen. Wovon sollen diese Menschen dann leben? Diese Kinder werden aus Armut verkauft (ein Mund weniger zu füttern) und die Familien bekommen vielleicht sogar ein bisschen Geld in die Hand gedrückt (für das jeweilige Kind). Was wird gegen diese Armut unternommen, die die Quelle allen Übels ist? Die schmutzige Schokolade, die vielen anderen Produkte aus afrikanischen, asiatischen und südamerikanischen Ländern, die unter ähnlich skandalösen Umständen hergestellt und dann an uns verkauft werden, sie sind im Grunde ja nur die Spitze des Eisbergs, nur Folgen noch gravierender Mißstände.

    Übrigens, der Vorschlag „kauf doch einfach nur fair-Trade-Schokolade“ klingt im ersten Moment zwar gut aber letztlich ist auch das keine Lösung des Problems, ausser, dass man sich evtl. selber einreden kann „ich esse ja keine schmutzige Schokolade“ (oder was auch immer). Wobei natürlich auch da keiner von uns weiß, ob es vor Ort wirklich überall so „fair“ zugeht. Ich will damit nichts sagen gegen fair trade an sich. Immerhin, wenigstens ein paar Menschen, die einigermaßen für ihre Arbeit und die Produkte daraus bezahlt werden. Das ist besser als nix. Doch selbst nach all den Jahren der fair trade-Aktionen und Initativen, ist das immer noch ein Tropfen auf den heißen Stein. Ein wirklich großflächiges Umdenken hat nicht stattgefunden, eine wirklich grundlegende und weitgreifende Veränderung in den betroffenen Ländern hat nicht stattgefunden. Fair trade Produkte kaufen, ist leider auch in unseren Breiten zu einer Art „white washing“ geworden – á la „Ich habe mit den üblen Machenschaften mancher ja nix zu tun. Ich kaufe mich mit ein paar Cent oder Euro frei von der Verantwortung. Mir kann keiner etwas vorwerfen.“ Schön! für die wenigen Konsequenten, die wenigen, die es sich leisten können und wollen und für einige wenige in den Ursprungsländern der Rohstoffe bzw. Produkte. Sie sind in kleine Inselchen in einem Meer von Mißständen, einem Meer das einfach weiter alles verschlingt, was ihm in den Weg kommt, ob das nun recherchierende Reporter sind die Kopf und Kragen riskieren, ob es Kinder sind, die verkauft und als Sklaven arbeiten müssen, ob es Frauen sind, die ihr Augenlicht für einen Hungerlohn in einer Nähfabrik opfern oder Männer, die in irgendwelchen Rohstoffgruben und -tunneln bis zu den Hüften in total verseuchtem Grundwasser stehen und mit 30 oder 40 an Umwelterkrankungen und Krebs sterben.

    Entschuldige bitte, es hat mich mal wieder hin gerissen, … es ist die Ohnmacht, die man angesichts solcher Berichte und Filme spürt … wir leben in einer wunderbaren Welt, wir leben aber auch in einer furchtbaren grausamen Welt und selbst wir mit all unserem „Reichtum“ können an den strukturellen Problemen nicht wirklich etwas ändern – jedenfalls nicht als Einzelne oder kleine Gruppen.

    Es ist zum weinen …

    Antworten

    • Isabel Bogdan Dienstag, 5. Februar 2013 um 22:30 Uhr [Link]

      Naja. Mit „wir können eh nix tun“ und weiterhin Schokolade kaufen ist natürlich auch niemandem geholfen. Ich habe keine Ahnung, was es bringt, solche Dokumentationen weiter zu verbreiten, die Nachfrage nach fair gehandelten Produkten zu steigern und die inkriminierten Unternehmen zu meiden – Tropfen auf den heißen Stein, höchstens. Aber immerhin. Ich jedenfalls möchte nicht mehr an diesem System teilnehmen. (Dass mir das nicht gelingen wird, ist mir auch klar.)
      In dieser Dokumentation werden die Kinder übrigens nicht von den Eltern verkauft. Sie „verschwinden“. Teilweise gehen sie auch freiwillig mit, weil man ihnen erzählt, sie könnten auf den Plantagen Geld verdienen. Aber das stimmt natürlich nicht.

  4. iris Dienstag, 5. Februar 2013 um 16:53 Uhr [Link]

    dies ist nach eigenen angaben eine sklavenfreie schokolade: http://worldinchocolate.blogspot.nl/2011/02/tonys-chocolonely-melk-hazelnoot.html

    ich habe aber auch gehört, dass sie identisch sei mit callebaut-schokolade und bin jetzt schockiert, dass callebaut auch von kinderarbeit profitiert.
    wir verbraucher haben die macht, es zu stoppen, indem wir nur noch fairtrade-schokolade konsumieren…

    Antworten

  5. dorothy_jane Dienstag, 5. Februar 2013 um 17:00 Uhr [Link]

    In der Mediathek des NDR findet sich zusätzlich zu diesem ersten Teil noch ein zweiter Teil der Doku aus diesem Jahr, beide auch in besserer Qualität als auf yo.utu.be:

    Teil I http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/45_min/videos/minuten257.html
    Teil II http://www.ndr.de/ratgeber/verbraucher/minuten757.html

    Antworten

  6. Liisa Dienstag, 5. Februar 2013 um 18:06 Uhr [Link]

    @ dorothy_jane: danke für den Link zur zweiten Doku von Miki Mistrati. Habe sie mir gerade auch noch angeschaut. Wirklich überrascht bin ich von den Ergebnissen dieser Recherche nicht. Die „Erklärungen“ der Verantwortlichen aus den Firmen anzuhören … entweder sie lügen schamlos … oder sie schieben alle Verantwortung weit von sich weg … oder sie geben sich überrascht, dass nichts geschehen ist … man wundert sich bei soviel Naivität und Unwissenheit, wie sie solche riesen Konzerne überhaupt leiten bzw. wichtige Abteilungen darin überhaupt am Laufen halten können. :(

    Antworten

  7. Clara Mittwoch, 6. Februar 2013 um 04:19 Uhr [Link]

    By the way, ich möchte hier niemanden persönlich angreifen. Ich weiß nicht wie ihr lebt und was ihr persönlich alles schon tut. Ich bin auch keine Heilige, aber ich versuche selbst mich immer mehr und mehr aus dieser bunten heilen sauberen Kommerzwelt voller Lügen herauszulösen und mein Verhalten zu ändern. Mein Verhalten zu reflektieren. Das ich Bücher im BUchladen vor Ort bestelle, das habe ich Isabel Bogdan zu verdanken. Menschen, die drüber reden, Menschen, die’s einfach vormachen. Ich möchte niemanden hier zeigen, dass ich besser bin und mich über jemanden stellen. Ich möchte niemanden zu nahe treten. Ich möchte niemanden missionieren. Es ist eher ein allgemein gehaltener Text, aus dem, was ich bisher oft an Reaktionen und Unverständnis meiner Umwelt
    erlebe und an den immer selben Argumenten. Ein Appell an diejenigen, die mir oft nicht zuhören wollen.

    Doch. Man kann schon etwas tun. Nämlich Fairtrade Schoki kaufen UND konsequent verschenken zu Weihnachten und allen sonstigen Anlässen. Das mache ich auch. Immer. Nur allein drüber reden und Betroffenheitsgefühle durch die Videos allein bringen es nicht. Sondern machen, anderen Menschen zeigen, dass es geht und dass es sowas wie fairtrade schoki gibt. Und warum es dass gibt. Manche schauen dann zuhause nach, warum sie so eine schoki bekommen haben oder fragen nach. Und das ists doch. Wenn ich immer drauf gucke, was alles nicht geht in der Welt, da wird doch nie was draus.
    Und diese Machtlosigkeit, die man sich einredet, finde ich ehrlich gesagt schrecklich. Und kann ich nicht mehr hören. Furchtbar, dieses, aber ich allein kann doch nichts machen. Verändert ja eh nichts. Wer sollte denn was verändern können, wenn nicht ich als erster mal anfange? – Achso, nee ich warte erst, bis alle in der Gesellschaft das so machen. – Ich bin doch Teil davon, ich fange an, ich teile den Gedanken, gebe ihn weiter, rede darüber, andere sehen und hören es – so kommt Umdenken in Gang. Aber diese Ausrede zu glauben, ich als kleines Menschlein, ich kann ja eh nix ändern, am Staat, an der Ungerechtigkeit.
    Klar, wenn jetzt hier ein Atomkrafwerk in der Nähe in die Luft geht – kann ich wenig machen. Aber ich habe doch als Verbraucher macht mit meiner ganzen Kohle, die ich aus meiner Hände Arbeit verdiene. Und da überlege ich mir schon ganz genau, wer das bekommt. Das kriegen wirklich nur besondere Menschen, die sich einen Kopf um Nachhaltigkeit und faire Bezahlung machen. Fertig. Bestelle ich bei Amazon oder bei der Buchhändlerin um die Ecke? Wassertomaten aus dem Supermarkt oder die Biokiste vom Hof in der Nähe? Beziehe ich Atomstrom oder Naturstrom (welcher NICHT teurer ist)? Billige chromgefärbte Lederschuhe von Deichmann oder teure pflanzengefärbte? etc. Das sind doch Entscheidungen, die ich jeden Tag treffe und mit denen ich unendlich viel Macht habe. Und diese Macht, die wird doch mehr, wenn immer mehr und mehr anfangen zu handeln. Wir immer mehr und mehr drüber sprechen. Es vormachen, leben, weiterschenken.

    Und das Gerede, aber es ist doch so teuer und Bio, dass kann sich doch nur die Elite und Oberschicht leisten. Sorry, auch dieses Argument zieht nicht. So eine Fairtrade-Schoki kostet vielleicht 2€ statt der 0,69€ für die Rittersport-Sonderedition im Angebot.
    Aber dann esse ich eben verdammt noch einmal nicht jeden Tag eine, sondern dann eben nur einmal eine im Monat. Das ist dann halt so. Das ist dann einfach der reale Preis für dieses Produkt. Das sind wir ja auch überhaupt nicht gewöhnt, reale faire Preise zu bezahlen. Wissen, wieviel ein Produkt wert ist, wieviel (Hand)arbeit da teilweise drin, wieviel Schweiß, wieviel Sonne, wieviel Wissen… Wieso 170€ für ne Jeans, wenn ich doch bei Kik eine für 15€. Wir kriegen doch hier alles wunderbar hinterhergeschmissen für ganz billig Geld – Dinge an denen das Blut von Menschen aus Asien und Afrika klebt.
    Warum ist denn das ganze Zeug so schön billig bei Lidl und Aldi? Wir sägen doch selber am Ast der outgesourcten Billigproduktion fleißig mit, weil wir die lokale Produktion gar nicht mehr leisten können. Und unseren eigenen Arbeitsmarkt damit kaputt machen.
    Ach nee, kann ich mir nicht leisten – ja, aber die Menschen aus 3.Weltländern, die sollen sich das leisten können, die sollen dafür bluten, damit ich jeden Tag meine Schoki für 0,69€ essen kann. Oder die billigen Hähnchenschenkel – sollen doch die blöden Tiere dafür den teuren Preis zahlen.

    Ich bin froh, dass es endlich mehr und mehr Menschen sind, die die Augen aufmachen, die drüber reden, Frau Bogdan hier, Anke Groener, J.Foer, Karen Duve, ich, du, wir, ihr, sie. Die machen es schwerer, den ganzen bunten Kram der Warenwelt zu glauben und die Augen vor dem ganzen Leiden zu verschließen. Je öfter ich es höre, umso mehr wird es klick und aha machen.

    Antworten

  8. Sandra Mittwoch, 6. Februar 2013 um 08:31 Uhr [Link]

    Die Doku ist der Grund, warum es in unserem Haushalt nur noch Gepa-Schokolade gibt. In England ist Fair trade viel verbreiteter, viele Cadbury-Artikel sind es, Hot Chocolate von Clipper und auch Nestle ist in England teilweise fair trade (z.B. KitKat). Ich habe mich mal mit einem englischen Kakao-Einkäufer (der für eine Firma aus Singapur arbeitet) über das Thema unterhalten. Größter Abnehmer seines Fair trade-Kakaos aus Deutschland sei ein Münchener Chocolatier (dessen Namen ich leider vergessen habe). Bio-Schokolade könne man – laut ihm – ebenso gut kaufen, die werde unter noch strengeren Bedingungen als Fair Trade hergestellt.

    Antworten

  9. Liisa Mittwoch, 6. Februar 2013 um 11:14 Uhr [Link]

    Ich habe mich wohl missverständlich ausgedrückt bzw. es ist mir offenbar nicht gelungen richtig zu transportieren, was ich sagen wollte. Was ich nicht sagen wollte, war „esst einfach die „normale“ Schokolade weiter, fair trade bringt eh nix“. Klar kann ich als Einzelne/r wenigstens meinen Teil tun, nur es ist manchmal frustrierend zu registrieren, wie winzig dieses Teil tatsächlich ist. Ich habe selber längere Zeit in einem afrikanischen Land gelebt und vor Ort gesehen und erlebt, wie sich das Konsumverhalten in unseren Ländern direkt vor Ort auswirkt. Vielleicht hat das dazu geführt, dass ich einen ziemlichen Teil meines anfänglich noch vorhandenen Optimismus/Idealismus à la „das muss doch zu ändern sein“, „da können wir doch … wenn wir nur“, „da kommt endlich was in Bewegung, es müssen nur viel mehr Menschen davon erfahren, dann …“ schlicht verloren habe. Es ist heftig, zu realisieren, wieviel von dem, was so gut gemeint ist, in der Realität tatsächlich wenig bringt bzw. häufig sogar eher noch das Gegenteil von dem bewirkt, was eigentlich beabsichtigt war.

    Dass man Bewusstsein weckt und aufklärt über solche Mißstände halte ich nach wie vor für sehr richtig und wichtig. Dass man sich selber diese Zusammenhänge immer wieder neu klar macht und in seine Überlegungen und sein Kaufverhalten mit einfließen lässt, ist auch für mich selbstverständlich.

    Tut mir leid, dass es mir nicht gelungen ist, das was ich eigentlich gemeint habe, in einen für alle verständlichen Kommentar zu gießen. Ich schätze es jedenfalls auch sehr, dass Isa immer wieder auf solche Dokumentationen und Reportagen hinweist. Danke dafür und nichts für ungut.

    Antworten

    • Isabel Bogdan Mittwoch, 6. Februar 2013 um 11:39 Uhr [Link]

      (Hatte ich gar nicht so verstanden. Ich hatte nur befürchtet, es könnte so verstanden werden.)

  10. kid37 Mittwoch, 6. Februar 2013 um 12:42 Uhr [Link]

    Die teilweise hier erwähnten Fairtrade-Schokoladen sind übrigens nicht alle für den Verzehr unbedenklich. Vor allem die, die aus Umweltgründen auf Alufolie verzichten. Hier diffundieren Farben aus der Verpackung in die Schokolade. (Nur, um es noch komplizierter zu machen.)

    Antworten

  11. Claudia Mittwoch, 6. Februar 2013 um 13:17 Uhr [Link]

    Wie wichtig Information und Aufklärung ist, zeigt die Kampagne von Agraprofit:
    https://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=pgCD-4Q-4Wo

    Offensichtlich sind Menschen wegen eines Schnäppchens sogar bereit, bewusst Kinderarbeit und anderes zu akzeptieren. Ich könnte verzweifeln an der (Un-)Moral meiner Mitmenschen!

    Antworten

  12. lihabiboun Mittwoch, 6. Februar 2013 um 18:49 Uhr [Link]

    Habe jetzt beide Filme von Mistrati angesehen und wenn man hört, wie sehr die großen Schokoladenfirmen und Handelsorganisationen darauf bedacht sind, ihrem Ruf nicht zu schaden, wäre es doch schon ein erster Schritt, diese Dokumentationen weiterzusenden im Internet. Natürlich dauert es lange, bis sich was ändert, aber WIR sind die Konsumenten und wenn WIR uns verweigern oder Dinge öffentlich machen … ich will einfach die Hoffnung nicht aufgeben!

    Antworten

  13. sklavenfreie schokolade? « es ist was faul Montag, 18. Februar 2013 um 19:16 Uhr [Link]

    [...] bei isabo, beschäftigt mich dieses thema seither immer wieder. nennt mich naiv oder wasauchimmer, aber ich [...]

    Antworten

  14. Besser ist das: Schokolade und Kaffee Freitag, 12. April 2013 um 11:26 Uhr [Link]

    [...] einer Weile habe ich hier einen Film von Miki Mistrati über Kinderarbeit auf Kakaoplantagen an der Elfenbeinküste verlinkt. [...]

    Antworten

Kommentieren:

Pflichtfeld