Film: Vincent will Meer

Demnächst werde ich mir selbst unheimlich: ich habe schon wieder ferngesehen.
Vincent (Florian David Fitz) leidet unter dem Tourettesyndrom. Nachdem seine Mutter sich totgesoffen hat, steckt sein Vater (Heino Ferch), der längst von der Mutter getrennt ist, ihn in eine Einrichtung – ein Heim oder so? Dort teilt er sich das Zimmer mit dem Zwangsneurotiker Alex (Johannes Allmayer) und lernt die anorektische Marie (Karoline Herfurth) kennen. Die drei klauen das Auto der Therapeutin (Katharina Müller-Elmau), und dann geht eine Roadstory los: nach Italien wollen sie, ans Meer. Mit ohne Geld, erstmal, und ihnen auf den Fersen sind die Therapeutin und Vincents Vater.

Ich mach’s kurz: ja, schöner Film. Liebeswerte Figuren, sehr gute Schauspieler, die ihre jeweiligen psychischen Krankheiten sehr gut darstellen, mittelrasante Story, ich hab nix zu meckern, aber irgendwie isses auch nicht die große Begeisterung. Irgendwie bleibt das Gefühl, ich hätte in der Zeit auch was „Sinnvolles“ tun können. Ein Buch lesen, zum Beispiel, das dann möglicherweise auch nicht toller gewesen wäre, aber bei einem Buch hat man, also: habe ich mehr das Gefühl, dass es trotzdem zu was gut war. Das fehlt mir bei Filmen noch. Aber ich fange ja auch erst an.

NACHTRAG wegen ganz vergessen. Bechdel-Test:
Zwei Frauen: Ja
Die miteinander reden: Hm, jein? Also, nur ganz kurz, glaube ich.
Über was anderes als Männer: Auch jein, glaube ich. Halt kurz über Maries Krankheit. Aber kein echtes Gespräch.

[Was mich jetzt echt beeindruckt hat, das war mir tatsächlich nicht so klar: wie oft da Werbung kommt, und wie lang die jeweils geht. Völlig irre. Und dann ist es zu einem beträchtlichen Prozentsatz Werbung fürs Abnehmen und für Partnervermittlungen. Jaja, für Euch Fernsehgucker ist das nix Neues, ne? Schon gut.]

20 Kommentare

  1. Anne Mittwoch, 9. Januar 2013 um 22:58 Uhr [Link]

    Irgendwann lernt man, Werbung sinnvoll zu nutzen. Aufs Klo gehen. Essensnachschub holen, Geschirr wegbringen, Eis rausstellen, einmal durchlüften, usw. Aber letztlich bleibt es natürlich nervig.

    Wenn man einen Festplattenrekorder hat, kann man schon mal mit Aufnehmen anfangen, dann nach Ablauf der Gesamtwerbungslänge anfangen zu gucken und die Werbung vorspulen. Aber ich find ja Pausen zum Rumräumen auch praktisch.

  2. jubil Mittwoch, 9. Januar 2013 um 23:00 Uhr [Link]

    Lustig, das mit der Werbung ging mir ganz genauso. Und das Schlimmste ist: Die Werbung macht den Film so krass kaputt. Womit ich jetzt nicht DEN Film meine, mehr so generell. Ich hab es bereut, nicht die DVD geschaut zu haben.
    Aber du, noch ein Tipp am Rande: Damit es sich nicht wie Zeitverschwendung anfühlt, solltest du es vielleicht doch mal mit Kino versuchen. Wenn es dir dort nicht gelingt, für die Zeit des Films zu verschwinden, dann ist das Medium wohl wirklich nicht deins. Und Filme sind einfach anders auf Leinwand. An dem obigen haben mir damals besonders die Einstellungen so gut gefallen – und die gehen (zumindest auf dem Miniformat hier) echt verloren…

    • Isabel Bogdan Mittwoch, 9. Januar 2013 um 23:21 Uhr [Link]

      Ja, Kino geht natürlich deutlich besser. Ich WOLLTE heute sogar! Habe aber keine Begleitung gefunden, und weil ich gar nicht einen bestimmten Film sehen wollte, hatte ich dann alleine auch keine Lust.

  3. Christian Mittwoch, 9. Januar 2013 um 23:29 Uhr [Link]

    Also ich Fernsehgucker, ich nutze gnadenlos den Festplattenrekorder. Oder guck Filme und Serien im PayTV, weil ich den Mist nicht gut ertrage. Von daher verstehe ich voll gut, was Du meinst.

  4. Uschi Donnerstag, 10. Januar 2013 um 07:26 Uhr [Link]

    Ich mache es wie Anne, nutze die Werbepausen. Aber sie zerrupfen einem natürlich immer das Filmerlebnis, das Eintauchen in eine Geschichte…

    Die Abnehmwerbung ging übrigens Schlag 2. Weihnachtstag los, als alle auf ihren Sofas rumrollten und vermutlich meinten, zuviel gegessen zu haben. Lustig.

  5. tine Donnerstag, 10. Januar 2013 um 09:16 Uhr [Link]

    Ich hab den Fernseher irgendwann abgeschafft. Unter anderem deswegen. (Wobei mir im Kino die Werbung gefaellt, tja.)
    So ganz schleichend, zuerst Kabel abgestellt, dann noch über die klassische Antenne geschaut, dann wurde umgestellt und ich haette mir so einen Decoder oder was auch immer holen sollen. Hatte ich aber keine Lust mehr. FErnsehen ist eher zum Abgewöhnen wie zum Angewöhnen.
    Ich schau gerne auf DVD, hier kann ich zwischen den Sprachen hin und her schalten, ich mag es gerne auf Englisch mit englischen Untertiteln, das hilft mir beim Verstehen. Und wenn es auf Englisch zu komplizert ist, schalte ich halt auf Deutsch. Dazu gibt es meist noch Hintergrundinformationen, oft einen Audio-Kommentar.
    Insgesamt sind DVD für mich besser, weil ich mehr mitbestimmen kann. Und die meisten Filme gibt es irgendwann für unter 10 Euro, man muss nur lange genug warten.

  6. Zahnwart Donnerstag, 10. Januar 2013 um 09:32 Uhr [Link]

    Ich sah zwischen den Jahren in einem Anflug von Zweiter-Weihnachtsfeiertag-man-muss-jetzt-wirklich-mal-was-unternehmen-Langeweile „Jesus liebt mich“, einen Film, in dem Florian David Fitz ebenfalls Drehbuch und Hauptrolle übernommen hat. Ich fürchte, das war der schlechteste Film, den ich je gesehen habe, und jetzt habe ich keine Lust, „Vincent will Meer“ nachzuholen, auch wenn alle, die ich kenne, schwärmen von diesem Film. Typisches Beispiel von „Zweitwerk zieht in seiner mangelnden Qualität auch das Debüt mit in den Abgrund“.

  7. frauziefle Donnerstag, 10. Januar 2013 um 09:32 Uhr [Link]

    Werbung ist furchtbar. Aber Filme sind toll, deswegen nutzen wir die Bibliotheken für die Ausleihe, und schauen ansonsten öffentlich-rechtlich. Oder kaufen, aber das eher selten. Oder die Mediatheken…
    Gehts dir ums Filme kucken oder ums Fernsehen, als du dein Projekt gestartet hast?
    Wenns die Filme sind, ist gesendetes Fernsehen glaube ich der falsche Ort.

  8. Wibke Donnerstag, 10. Januar 2013 um 09:47 Uhr [Link]

    Werbung, ganz schlimm. In FR wie in DE… Wir gucken auch zwar (für mein Verständnis) relativ viel fern, aber fast ohne Ausnahme entweder DVD oder aufgenommen und dann immer schön vorgespult, oder eben die öffentlichen Kanäle, die es wenigstens nicht IM Film tun…

  9. apriori Donnerstag, 10. Januar 2013 um 10:23 Uhr [Link]

    Soo viel gehaltvoller als Werbung ist dieses Werk aber eh nicht. Und der Audi sah klasse aus.

  10. kid37 Donnerstag, 10. Januar 2013 um 10:40 Uhr [Link]

    Sie brauchen eine gute Programmzeitschrift.

  11. Isabel Bogdan Donnerstag, 10. Januar 2013 um 11:06 Uhr [Link]

    Ihr Hasen – dass da Werbung kommt, das wusste ich dann doch. Und ich habe jetzt auch nicht aus Prinzip ferngesehen, sondern weil der Film da halt gerade lief und mir auf Facebook empfohlen wurde. Dass das auf DVD oder anderen Speichermedien komfortabler ist, das ist sogar mir klar.

    • frauziefle Donnerstag, 10. Januar 2013 um 22:50 Uhr [Link]

      Ich dachte doch nicht, dass du doof bist! Aber ich kanns nicht mit ansehen, dass die schöne neue Sache in deinem Leben scheitern soll an dem blöden Konstrukt Werbefernsehen.

    • Isabel Bogdan Donnerstag, 10. Januar 2013 um 22:57 Uhr [Link]

      Hihi, ich dachte auch nicht, dass du dachtest, ich bin doof.

  12. Montez Donnerstag, 10. Januar 2013 um 11:10 Uhr [Link]

    Ach siehste. Ich hatte keine rechte Erklärung, warum ich während des Films so bald angefangen habe, im Telefon zu lesen. Das war ab der ersten Werbepause! Und dann kam ich nicht mehr rein, hatte so diffus gefühlt die Lust verloren. Obwohl ich nicht wenig fernsehe, bin ich das nicht gewohnt, da ich, seit wir über so ein digitales Satelitendings verfügen, mich nur noch bei EinsFestival, Neo, ZDFKultur und so aufhalte. Arte und 3Sat sowieso. Da gibt es immer mal was Sehenswertes ohne Werbung.

    Die Privaten sind inzwischen auf die Ü30-Plätze gerutscht auf der Fernbedienung.

  13. Zahnwart Donnerstag, 10. Januar 2013 um 11:16 Uhr [Link]

    Seit dieser komischen Umstellung auf digitales Signal (bei dem ich nicht einmal annähernd verstanden habe, was da eigentlich passiert ist) sind die Privatsender einfach verschwunden. Weg. Ersetzt durch ZDF Neo, Eins Festival und lustige lokale ARD-Sender (Saarland!), die wir bislang noch nicht bekommen hatten. Schön ist das.

  14. noname Donnerstag, 10. Januar 2013 um 14:58 Uhr [Link]

    Dies ist erst der zweite Kommentar, den ich je zu irgendeinem Blog verfasst habe (obwohl ich bestimmt schon über ein Jahr hier sehr gern lese), aber ich kann nicht länger mitansehen, wie der Versuch, Filme gutzufinden, an zu durchschnittlichem Anschauungsmaterial scheitert. Deshalb eine sehr kleine, willkürliche Auswahl aus ca. 15 Jahren Kino- und Filmbegeisterung:
    (nur Filme, die entweder eine einmalige oder einmalig erzählte Geschichte haben oder wenigstens eine einmalige Ästhetik.) (Bestimmt einige Mehrfachnennungen, ich habe nicht alle Empfehlungen in den Kommentaren gelesen.) (Reihenfolge beliebig.)
    Lord of War (zynisch, atemberaubend, lustig)
    Gottes Werk und Teufels Beitrag (schön, anrührend, traurig)
    Lang Lebe Ned Devine (top Soundtrack, witzig, skurril, tolle Landschaft, nackte alte Menschen)
    The Deep End (schöne Landschaft, schönes Licht, schöne Menschen, fiese Story)
    American Beauty (guter Soundtrack, starke Schauspieler)
    Sein und Haben (Être et avoir) (Schön UND wahr)

    Desweiteren empfehle ich die Videothek „Filmgarten“ im Grindelviertel.

  15. jule Samstag, 12. Januar 2013 um 01:25 Uhr [Link]

    Ich habe den Film ja am selben Tag auch versucht zu sehen. Und mir gings so, dass ich nicht richtig reinkam. Obwohl ich sehr gespannt war.
    Es hat mich deutlich weniger berührt oder mitgerissen, als ich annahm. Herrn Fitz finde ich gut und mochte seine Darstellung der Tourette-Tics. Aber irgendwas störte mich an der Geschichte, grad auch die Sache von der Ärztin und dem Vater. Die Werbung hat ihren Teil dazu beigetragen, dass ich nicht richtig folgen mochte, ich hab während der zweiten Pause eine E-Mail geschrieben und irgendwie verpasst, dass die Werbung vorbei ist.

    Für die Liste: Before Sunrise und Before Sunset von Richard Linklater.
    Ich habe Teil 1 gesehen, als er im Kino kam (genauer: im Unikino im Audimax in Hannover…) und ich im ähnlichen Alter wie die Protagonisten war. Ich mag ihn heute noch. Sicher auch bedingt durch den inneren Nostalgiefilter. ;-) Neun Jahre später kam Before Sunset ins Kino, und wieder neun Jahre später wird jetzt Teil 3 wohl die Geschichte der beiden beenden (Before Midnight).

    Zu Before Sunrise:
    Zufällige Begegnung einer Französin und eines Amerikaners im Zug, spontane Entscheidung, in Wien auszusteigen und den Tag zusammen zu verbringen, bevor er am nächsten Tag zurückfliegt in die USA. Mangels Geld für eine Hotelübernachtung machen sie die Nacht durch. Ethan Hawke und Julie Delpy treiben durch Wien, führen mehr oder weniger tiefgründige Gespräche. Ich mochte das.

  16. Isa Mittwoch, 16. Januar 2013 um 02:35 Uhr [Link]

    Ein weiterer Filmtipp an dieser Stelle: Haevnen (In einer besseren Welt) – eine trautig-schöne dänisch-schwedische Produktion mit tollen Aufnahmen, hat 2011 einen Oscar gewonnen.

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