Neuerscheinung! Ella Griffin: „An und für dich“

Gastbeitrag von Jenny Merling

„An und für dich“ erzählt von zwei befreundeten Paaren, alle Mitte Dreißig, alle oberflächlich zufrieden mit ihrem Leben, alle bei näherer Betrachtung doch nicht so ganz glücklich.

Saffy arbeitet in einer Werbeagentur, verdient gut, ist die Freundin von Soapstar Greg und rechnet demnächst mit einem Heiratsantrag. Ihre Freundin Jess, freiberufliche Journalistin, verdient nicht ganz so gut und hat mit Conor, dem Lehrer, der abends an seinem Lebenstraum in Form eines Romans schreibt, zwei Kinder.
Alles läuft also fröhlich vor sich hin, bis es bei Saffy und Greg kracht, weil sich herausstellt, dass die Zukunftspläne der beiden eigentlich sehr auseinandergehen, und Jess und Conor sich in die Haare kriegen, weil Conor endlich einen Verleger für sein Buch gefunden hat, deshalb den Job als Lehrer an den Nagel hängt und die sonst so unangepasste Jess plötzlich merkt, dass ihr ein bisschen spießige Sicherheit doch lieber wäre.
Mit unterschiedlichem Erfolg versuchen es die vier Protagonisten daraufhin erst einmal eine Weile ohne einander. Währenddessen entspannt sich Saffys schwieriges Verhältnis zu ihrer Mutter, als diese schwer erkrankt. Bevor die beiden jedoch Zeit haben, sich mit der Krankheit zu arrangieren und die neu entdeckte Mutter-Tochter-Beziehung ein wenig zu genießen, wird sie dank einer Entdeckung, die die gemeinsame Vergangenheit der beiden angeht, schon wieder belastet.
Es ist ein Roman über Paare und Familien, Eltern und Kinder, verschiedenste zwischenmenschliche Beziehungen eben, alles ist komplizierter, als es auf den ersten Blick wirkt, aber eigentlich auch doch wieder ganz einfach. Nur nicht vorhersehbar. Und deshalb gut.

Meine persönliche Beziehung zum Roman lässt sich sich in drei Situationen zusammenfassen, die sich mit wechselnden Akteuren aber unwesentlich wechselnden Dialogen in den letzten Wochen immer wieder abgespielt haben, seitdem „An und für dich“ am 16. August herausgekommen ist. Und auch schon eine Weile davor, wenn ich ehrlich bin.


auf der Couch

„Ach übrigens, Onkel X/Arbeitskollegin Y/Nachbarin Z will sich mein Buch kaufen.“

„Und?“

„Ich weiß nicht … der/die liest doch sonst nur so Schinken über U-Boote im Zweiten Weltkrieg/Fachliteratur zur Psychotherapie/Krimis. Und das ist jetzt so … na ja, was für Frauen eben. Das gefällt ihm bestimmt gar nicht.“

„Lass die das doch alle selbst entscheiden!“

Ein Unterhaltungsroman.
Und sofort dieses Gefühl, sich verteidigen zu müssen dafür, dass man den übersetzt hat und es nicht mal schlimm fand. Damit muss mal Schluss sein. Das Buch wurde geschrieben, um zu unterhalten, und das tut es. Und zwar so, dass ich – ja, ich verwende jetzt einen Klischeesatz! – sowohl laut lachen als auch weinen musste. Bekanntermaßen müssen Isa und ich ja schon bei der Merci-Werbung weinen, sind also vielleicht kein Maßstab, aber man kann auf jeden Fall festhalten, dass es ein sehr gelungenes und unterhaltsames Buch ist. Viel Spaß beim Lesen, Onkel, Arbeitskollegen und Nachbarn!

am Telefon

„An und …“

„… für dich.“

„An und für dich?“

„Ja, Opa.“

„Nicht ‚für sich‛?“

„Nein, Opa.“

„‚An und für dich‛ also.“

„Genau.“

Ein Unterhaltungsroman, der „An und für dich“ heißt.

Isas und mein Vorschlag, ihn nach den vier Hauptpersonen einfach „Saffy, Conor, Jess und Greg“ zu nennen (dieser Rhythmus! diese Schlichtheit!), wurde leider abgelehnt. Vielleicht befürchtete man, zu viele würden es in Gedanken um „und deine Mudda“ ergänzen und dann lieber die Finger davon lassen.
Zwischendurch stand von Verlagsseite auch einmal eine Variante im Raum, in der das Wort „Supermann“ vorkam – der Schutzpatron der Übersetzer (gibt’s übrigens wirklich, heißt Hieronymus) hat uns da zum Glück jedoch beigestanden und diesen Titel verhindert. Sorry, KiWi! Nun haben wir also dieses Wortspiel auf dem Cover und wer das Buch liest, weiß am Ende auch, wieso es so heißt. Und was will man denn mehr von einem Titel, als dass er einen erst verwirrt und das Buch damit zumindest interessant macht, und sich dann am Ende von selbst erklärt.


abends im Bett

„Du?“

„Hm?“

„Ich hab jetzt ein Buch.“

„Ich weiß.“

„Ja, aber … ich hab jetzt ein Buch. Ein echtes. Steht mein Name drin. Und Isas. In unserem Buch, weißte?“

„Ja. Und jetzt schlaf.“

*Geschnüffel*

„Lass mich raten – du musstest gerade wieder an dein Buch denken?“

„Mh.“

Mein Unterhaltungsroman.

Es ist nämlich nicht einfach eine weitere in der langen Reihe von Isas Übersetzungen, nein, es ist gleichzeitig auch noch meine erste „richtige“, das heißt: erschienene Übersetzung.

Zum ersten Mal ein ganzes Buch übersetzen, nicht nur ein paar Seiten wie in der Uni. Allein entscheiden (zumindest, bis Isa und die Lektorin sich drauf stürzen), was ich für eine adäquate Übertragung ins Deutsche halte. Das Internet ob seines Unterhaltungsfaktors und Ablenkungspotentials verfluchen. Fehler machen. Was von Isa lernen. Selbst super Ideen haben. Den verdammten Mist nicht mehr sehen können. Das Internet sehr lieb haben. Sich fragen, was man sich eigentlich bei der ganzen Sache gedacht hat, denn werden kann das ja hier wohl nie was. Am Ende sehr glücklich sein und feststellen, dass Übersetzerin tatsächlich – wie auch bisher angenommen – der beste Beruf der Welt ist. Das ist „An und für dich“ für mich.

Ach ja, und mein absoluter Lieblingssatz lautet: „Nee, oder?“ (S. 179)
Weil man mir in der Uni beigebracht hat, dass man so was nicht in eine Übersetzung schreiben darf, weil Isa und ich uns trotzdem einig waren, dass das ungläubige „You‘re kidding!“ nur so und nicht anders in diesem Zusammenhang übersetzt werden kann und weil die wundervolle KiWi-Lektorin Helga Frese-Resch mit uns einer Meinung war und diesen Satz tatsächlich im Buch gelassen hat.

Ella Griffin (Jenny Merling, Isabel Bogdan): An und für dich. Kiepenheuer & Witsch, 476 Seiten, 16,99 €.
Als E-Book 14,99 €

9 Kommentare

  1. percanta Montag, 27. August 2012 um 11:39 Uhr [Link]

    Danke für den Gastbeitrag! Und jetzt will ich natürlich das wissen, was ich an der Stelle immer erklärt bekommen möchte: Gemeinsam übersetzen, geht das eigentlich? Nee, oder?

    • Jennie Montag, 27. August 2012 um 11:53 Uhr [Link]

      Geht. Je besser man sich (menschlich und übersetzerisch) versteht, desto besser natürlich. In unserem Fall hat die eine übersetzt, die andere überarbeitet und dann wurde das Ganze noch mal durchgegangen.
      Man kann sich natürlich auch kapitelweise abwechseln oder jeder die Hälfte machen, wobei da wahrscheinlich der Unterschied im Übersetzerton am deutlichsten ist.
      Isa und ich klicken, da hat’s geklappt und war bis auf 2 oder 3 Stellen auch sehr einträchtig, danke der Nachfrage. :)

  2. percanta Montag, 27. August 2012 um 11:40 Uhr [Link]

    PS: Und jetzt weiß ich auch, wieso ich Deinen Namen kenne, liebe Gastautorin und Übersetzerin: Vom Projekt „El cadáver asqueroso“. Herzlichen Glückwunsch zur esten Langstrecke!

    • Jennie Montag, 27. August 2012 um 11:55 Uhr [Link]

      Danke!! Ach ja, der ‚eklige Leichnam‘ war schon schön, aber auch ganz schön schwierig…

  3. Isabel Bogdan Montag, 27. August 2012 um 11:54 Uhr [Link]

    Nee, das geht eigentlich nicht. Deswegen hat in dem Fall auch Jenny alles übersetzt und ich überarbeitet. Ruhm und Ehre gebühren also eigentlich ihr.
    Jenny studiert(e) Literaturübersetzen an der Uni Düsseldorf. Das Studium kränkelt anscheinend ein bisschen daran, dass dort nur Philologen unterrichten, aber keine „echten“ Übersetzer, die aus der Praxis kommen. Deswegen müssen die Studierenden zweimal während des Studiums eine Woche im Übersetzerkollegium in Straelen ein sogenanntes „Praktikum“ machen, das ist eine Woche Textarbeit mit einem „echten“ Übersetzer zusammen. Das habe ich vor – äh, wie lange? vor zwei Jahren? geleitet, und da ist mir Jenny aufgefallen als richtig gute Übersetzerin, von der ich sofort dachte: das wird was. Sie kann was, sie hat verstanden, worum es geht, und sie brennt dafür.
    Als KiWi dann wegen dieses Buches anfragte, habe ich vorgeschlagen, das so zu machen. Für Jenny war es eine super Gelegenheit: die erste große Übersetzung, und dann gleich bei KiWi (die Schwierigkeit, als Übersetzerin anzufangen, besteht ja oft darin, dass Verlage die Veröffentlichungsliste sehen wollen, und die hat man am Anfang nicht. Ein Unidiplom interessiert hingegen weniger). Und KiWi hatte nicht das Risiko, eine Anfängerin zu beschäftigen, weil ich alles überarbeitet habe und sie sich darauf verlassen konnten, dass es am Ende aussieht, als hätte ich es gemacht. Und Jenny konnte mich im Zweifel fragen – wie würdest du dieses machen, meinste, jenes geht, soll ich mich sowas trauen – und war wahrscheinlich dem Verlag gegenüber weniger unsicher, weil sie von mir wusste, dass ich sowieso immer „ja, mach!“ sage. Und so hat das super geklappt, außer dass ich natürlich wieder geloost habe und zu spät war mit allem und wir dann nicht mehr so drüber sprechen konnten, wie ich das eigentlich vorgehabt hatte, damit Jenny auch was davon hat.

    • Jennie Montag, 27. August 2012 um 11:58 Uhr [Link]

      > Nee, das geht eigentlich nicht.

      Haha, da haben wir dann ein tolles Beispiel für die eben/oben von mir zitierte Enträchtigkeit – weil ich nämlich gerade meinte, das geht durchaus… Aber es kommt natürlich darauf an, wie das Ganze genau abläuft.
      Und im Übrigen hatte ich sehr viel von der Zusammenarbeit mit dir. Das kannste ruhig mal so hinnehmen.

  4. percanta Montag, 27. August 2012 um 15:27 Uhr [Link]

    Ich fand den „Leichnam“ auch schwierig. Natürlich kapitelabhängig, meins fand ich jedenfalls haarig…

  5. Julian Montag, 27. August 2012 um 20:00 Uhr [Link]

    Glückwunsch zum Erstling, Jenny! Und Isa – fünf Daumen hoch. Gut gemacht.

    „Nee, oder?“ – Top. Aber bei Helga wäre „Das ist jetzt aber ein Scherz, oder?“/“Das meinst du doch nicht ernst?“/uswusf. glücklicherweise sowieso nicht durchgegangen. Höchstens noch „Dein Vater, ey.“

  6. Isabel Bogdan Montag, 27. August 2012 um 20:04 Uhr [Link]

    Ich versuche es ja auch immer mal wieder mit „nee, ne?“, aber das ist noch nie durchgegangen.

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