MTP

Was bisher geschah: Ich habe für eine Lesung, beziehungsweise für gleich zwei Lesungen hintereinander eine Geschichte geschrieben. Über einen Pfau.
Dann bin ich ein bisschen größenwahnsinnig geworden und habe sie für den Hamburger Förderpreis eingereicht. Und weil die Geschichte noch gar kein Ende hat, sondern einfach irgendwo aufhört, also überhaupt nicht fertig ist, habe ich sie „Romananfang“ genannt und ein kleines Exposé dazugeschrieben. Das alles im Glauben, dass ein unterhaltsamer Text sowieso keinen Preis bekommt; allerdings, wenn man nicht doch auf eine winzige Chance hofft, dann schickt man ja auch nichts ein.
Meine Einsendung war also verbunden mit dem Gedanken: falls ich den Preis bekommen sollte, dann mache ich tatsächlich einen Roman draus. Keine allzu große Gefahr, diesen Gedanken in die Tat umsetzen zu müssen, dachte ich.
Nun ja. Ich habe den Preis bekommen, und jetzt muss ich wohl ran. Erstmal hatte ich tausenderlei anderes zu tun, aber jetzt, JETZT, heute, fange ich an. Ich überliste mich selbst ja gern mit billigen Psychotricks, das hier ist einer davon: ich erzähle rum, dass ich schreibe. Was Längeres. Vielleicht einen Roman. Wenn das alle wissen, dann kann ich auch nicht gleich nach 5 Seiten wieder aufgeben, dann muss ich dranbleiben. (Scheitern kann ich dann immer noch. Und ob ich dann am Ende, falls es ein Ende gibt, einen Verlag dafür finde, ist sowieso noch mal eine andere Frage, da mache ich mir auch nichts vor.)

Schon vor einigen Tagen bin ich bei Amazon zufällig über das hier gestolpert: ein Puzzle! Mit einem Pfau! Tausend Teile! Wie geil ist das denn, das muss ich haben. Sofort auf den Wunschzettel gesetzt, und da hat Christian es sofort gekauft. Dankedankedanke!
Jetzt kann ich beim Schreiben nebenbei puzzeln. Einen Pfau. Denn erstens muss man ja zwischendurch mal denken, das geht beim Puzzeln bestimmt super. Zweitens wächst das Puzzle dann parallel zum Buch, ich sehe meine Fortschritte daran, wie das Puzzle zum Pfau wird, und der Roman hoffentlich ebenso schön. Und schließlich: Sensationelle Metapher! Lauter kleine Einzelteile, die schon da sind, müssen „nur“ richtig angeordnet werden, damit ein stimmiges Gesamtbild entsteht. Wie toll! Die tausend Teile kommen mir gar nicht so irre viel vor, aber ich glaube, das ist ein ziemlich schwieriges Puzzle. Ich bilde mir nicht ein, es mal kurz zwischendurch machen zu können. Denn die tausend Teile sehen fast alle gleich aus. Ich weiß, dass es schwer wird. Aber wenn ich nicht weiterkomme, kann ich ja zwischendurch ein bisschen schreiben. Hach. Ich freu mich tierisch (hihi) auf das Puzzle! Und nenne es metaphorisch-therapeutisches Puzzeln.
Natürlich habe ich sofort angefangen zu puzzeln, obwohl ich erst noch mit Übersetzungskorrekturen beschäftigt war. Aber hey, ich habe ja auch schon 23 Seiten Pfauengeschichte. Der Rumpf ist sozusagen schon fertig. Und was das Puzzle betrifft, war das der einfache Teil, ab jetzt wird’s schwieriger.

Wenn ich dann irgendwann berühmt bin, wird man angehenden Schriftstellern zu metaphorisch-therapeutischem Puzzeln raten. Mindestens tausend Teile, thematisch passend. Parallel an Roman und Puzzle arbeiten. Man wird es auch „Bogdan-Puzzle“ nennen. Sie kommen mit Ihrem Roman nicht weiter? Haben Sie sich schon ein Bogdan-Puzzle besorgt? Wirkt manchmal Wunder.
Liebes Pfauenpuzzle: walte Deines Amtes. Ich zähl auf Dich.

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24 Kommentare

  1. percanta Mittwoch, 25. Januar 2012 um 11:43 Uhr [Link]

    Super.
    Ich erzähl jetzt auch rum, dass ich eine Habil schreibe. Zweites Buch! Ganz viele Fußnoten! Voll schön! Und suche ein Puzzle mit einem schönen Habil-Motiv.

  2. Isabel Bogdan Mittwoch, 25. Januar 2012 um 11:45 Uhr [Link]

    Hm. Wahrscheinlich bräuchtest Du mindestens 5000 Teile.

  3. Mocca Mittwoch, 25. Januar 2012 um 11:47 Uhr [Link]

    Großartig! Viel Erfolg! :)

  4. percanta Mittwoch, 25. Januar 2012 um 11:51 Uhr [Link]

    Danke sehr, aber leider total falsches Thema! Ich bin jetzt ganz woanders unterwegs, thematisch wie geographisch.

  5. Isabel Bogdan Mittwoch, 25. Januar 2012 um 11:53 Uhr [Link]

    (Jaaaa, sowas hab ich geahnt. Wusste aber nicht mehr, was. Ein Puzzle einer Sehenswürdigkeit in der Hauptstadt des entsprechenden Landes vielleicht? Sowas gibts doch ziemlich sicher.)

  6. Zahnwart Mittwoch, 25. Januar 2012 um 11:59 Uhr [Link]

    Das Puzzle wird das für deinen Roman werden, was Facebook für meine Arbeitsmoral ist: eine einzige große Prokrastinationsversuchung.

  7. Isabel Bogdan Mittwoch, 25. Januar 2012 um 12:03 Uhr [Link]

    Irgendwann verleihe ich Dir den goldenen Miesepeter am Band. Mit Schleifchen und extra Sahne.
    Facebook ist natürlich das Prokrastinationstool Nr. 1, aber dabei kann man bekanntermaßen nicht denken. Beim Puzzeln schon. Das gehört also zur Arbeit!

  8. percanta Mittwoch, 25. Januar 2012 um 12:06 Uhr [Link]

    Ein Puzzle mit einer Perspektive. Das gibt es.
    Und damit belege ich dann den Besprechungstisch im Gemeinschaftsbüro. Wird schon recht sein. Wenn’s hilft!

  9. Anne Mittwoch, 25. Januar 2012 um 13:07 Uhr [Link]

    Ja, sehr gut. Und das mit dem Weitererzählen hatten wir ja schon geklärt. Steht ja auch so in dem „Wie man in 30 Tagen einen Roman schreibt“-Buch. Allen erzählen, dass man’s tut, damit möglichst viel sozialer Druck aufgebaut wird, aber bloß keinem, worum es genau geht, damit nicht jeder sich berufen fühlt, kluge Ratschläge zu geben.

    Und: Puzzle sind toll. Ich brauch mal langsam ein Neues, das hier hab ich schon sehr, sehr oft gemacht: http://www.amazon.de/Kosmos-782207-Puzzle-Teile-Cover-Collage/dp/B004IWWWYS/ref=pd_sxp_f_pt

  10. Isabel Bogdan Mittwoch, 25. Januar 2012 um 13:21 Uhr [Link]

    2000 Teile ist auch bestimmt besser, ich glaube, 1000 ist vielleicht doch zu wenig.
    Im Moment liegt es allerdings auf dem Boden, da tut mir so schnell alles weh, dass ich es eh nicht lange aushalte. Vielleicht sollte ich gar nicht erst einen bequemeren Platz dafür suchen.

  11. Anne Mittwoch, 25. Januar 2012 um 13:26 Uhr [Link]

    Bei mir ging das immer so: Ach, ich glaub, ich mach noch mal das Puzzle.

    Dann wird’s so langsam Nacht und nachdem ich das zwanzigste Mal „Na komm, die paar Teile noch“ gedacht hab, ist es auf einmal 3 Uhr nachts. Und ich hab dann Rücken.

  12. Jennie Mittwoch, 25. Januar 2012 um 17:32 Uhr [Link]

    Me likey, Isa. Ich dachte mir schon beim (seitenmäßigen) Ende der Geschichte, als du meintest, das (inhaltliche) Ende fehlt noch, dass sie viel zu komplex ist und zu viele lose Enden hat, als dass man das Ganze wirklich einfach so in ein paar mehr Seiten zu Ende schreiben kann. Dass es nun ein Roman wird, ist die einzig logische Konsequenz. Ich freu mich für dich und bin überzeugt, dass du das 1. kannst und 2. nen Verlag findest. Du altes Sonntagskind! :*

  13. Alexander Böttcher Mittwoch, 25. Januar 2012 um 19:14 Uhr [Link]

    Hiermit bestelle ich das Buch schon mal vor.

  14. frauziefle Mittwoch, 25. Januar 2012 um 20:36 Uhr [Link]

    ich wusste, dass ich etwas würde bereithalten müssen. Morgen ein Puzzle.
    Und @percanta: für eine Habil tuts sehr gut was von Escher. s/w mit 1500 Teilen. Brauchst du dir nie wieder Sorgen machen.

  15. lady grey Donnerstag, 26. Januar 2012 um 15:55 Uhr [Link]

    Ich weiß schon, was eher fertig wird.

  16. Isabel Bogdan Donnerstag, 26. Januar 2012 um 19:28 Uhr [Link]

    He, ich wollte hier ein bisschen Ermunterung und freundliches Cheerleading haben!

  17. excellensa Donnerstag, 26. Januar 2012 um 22:45 Uhr [Link]

    Boah, wie toll ist das denn? Ich werde es kaufen, lesen und begeistert sein.
    Druck ausüben kann ich ja ganz gut, werde mich mal über Ermunterung und Cheerleading schlau machen und wiederkommen ;-).
    Aus den 80gern steht hier noch ein Puzzle „Think-Krypt“, die „ultimative Herausforderung – 700 unbedruckte Teile“ rum. Untertitel: mit Gedanken spielen…

  18. kid37 Freitag, 27. Januar 2012 um 00:08 Uhr [Link]

    Von mir und Miranda July nur pragmatische Tipps gegen das Rumdrucksen: A Handy Tip for the Easily Distracted.

  19. Isabel Bogdan Freitag, 27. Januar 2012 um 11:12 Uhr [Link]

    Sehr schön, danke!

  20. Gestrickt. | limit of control Freitag, 27. Januar 2012 um 19:02 Uhr [Link]

    [...] ich werde mir für dieses Wochenende ein Puzzle kaufen. Bei Isabel Bogdan passieren dazu gerade interessante Dinge. Wer weiß, vielleicht esse ich ein Brot [...]

  21. rebhuhn Mittwoch, 8. Februar 2012 um 14:42 Uhr [Link]

    *freundliches cheeren ON*
    glückwunsch!! das ist ’ne irre sympathische art, hier zu verkündigen. ich liebe [liebe!] die begeisterung, die so oft aus Ihren/deinen [?, ich bin so vergeßlich, was ist hier gern gesehen?] posts und taten sprüht… echt ansteckend.
    *freundliches cheeren OFF*

  22. Isabel Bogdan Mittwoch, 8. Februar 2012 um 14:49 Uhr [Link]

    Oh, vielen Dank! (Dein oder Ihr egal, hier ist gern gesehen, dass alle sagen, was sie möchten.)
    Diese Pfauengeschichte allerdings ist ja gar nichts, was ich erstmal begeistert tun könnte und dann nur noch aufschreiben muss. Die muss ich mir komplett ausdenken. Und hänge natürlich schon gleich am Anfang ziemlich fest. Hmpf. Stattdessen gehe ich verzückt aufs Alstereis, aber so richtig bringt mich das auch nicht voran.

  23. excellensa Mittwoch, 8. Februar 2012 um 20:25 Uhr [Link]

    Also ist jetzt Ermunterung angesagt. Hmh.
    Durchhalten, der Kopf arbeitet sowieso ständig weiter und am Ende bringt Sie das Altereis doch richtig voran.
    (Ermunterung übe ich noch).

  24. Isabel Bogdan Freitag, 10. Februar 2012 um 11:31 Uhr [Link]

    Danke! (Jetzt erstmal wieder mit Übersetzungsdings beschäftigt.)

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