Jonas Jonasson (Wibke Kuhn): Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand

Tadaa! Das war also mein erstes E-Book.
Allan Karlsson hat überhaupt keine Lust auf die Feierlichkeiten zu seinem 100. Geburtstag. Der Bürgermeister und die Lokalpresse haben sich angekündigt, die fürchterliche Schwester Alice wird Allan gleich abholen – da steigt er kurzerhand aus dem Fenster seines Erdgeschoss-Zimmers im Altersheim und haut ab. Allan ist körperlich und geistig bemerkenswert fit für sein Alter. Er geht zum Busbahnhof und will mit dem erstbesten Bus irgendwohin fahren. Wohin, ist ihm eigentlich egal, Hauptsache, weg von Schwester Alice. Kurz bevor der Bus kommt, bittet ihn ein finsterer junger Mann, mal eben auf seinen Koffer aufzupassen, während er auf die Toilette geht. Der Mann geht, der Bus kommt, Allan sieht den Koffer an und … trifft spontan, wie es im Buch heißt: „eine lebensbejahende Entscheidung“.

Nun sitzt der hundertjährige Allan also mit einem geklauten Koffer in einem Bus nach nirgendwo, und alle sind hinter ihm her: einerseits der Verbrecher, dem der Koffer gehört, andererseits Schwester Alice, bzw. die Polizei. Auf seiner Flucht findet er neue Freunde, einen nach dem anderen, die Polizei kommt immer fünf Minuten zu spät, zwischendurch gehen – mehr oder weniger versehentlich – ein paar Leute tot, aber um die ist es irgendwie auch nicht so richtig schade.
Abwechselnd mit dieser wirklich grandiosen Räuberpistole wird Allans Lebensgeschichte erzählt, und die ist genauso eine Räuberpistole. Sie deckt das komplette 20. Jahrhundert ab, in dem Allan sich vor allem mit zwei Dingen beschäftigt: Sprengstoffen (bis hin zur Atombombe) und Schnaps. Was ihn hingegen überhaupt nicht interessiert, ist Politik. Auf seinen abenteuerlichen Reisen quer durch die Weltgeschichte begegnet er trotzdem Franco, Oppenheimer, Truman, Chiang Kai-shek, Mao und diversen anderen großen Figuren des 20. Jahrhunderts, er lebt an den unterschiedlichsten Orten und bringt immer wieder die ganze Welt durcheinander, kurz, es ist ein einziger Irrsinn und ein großer, großer Spaß. Ich habe richtig viel gelacht. Lange nicht mehr so ein hemmungslos drauflosfabuliertes Buch gelesen. Dicke Empfehlung, wenn man einfach mal wieder etwas so weglesen will, spannend und lustig, ohne allzugroßen Anspruch, aber keineswegs blöd. Jippie!

Jonas Jonasson (Wibke Kuhn): Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand. carl’s books, broschiert, 14,99 €.
E-Book 11,99 €.

Schade am E-Books-Lesen ist, dass die Rubrik „steht zwischen denundden Nachbarn“ irgendwie flachfällt. (Wie man auf dem Reader Bücher sortiert, habe ich übrigens noch nicht raus, das ist im Moment noch nicht so relevant, bei drei geladenen Büchern.)

3 Kommentare

  1. Christiane Montag, 5. Dezember 2011 um 14:25 Uhr [Link]

    Für mich nahm die Geschichte eine ganz andere Wendung, weil ich gelesen habe „… mal eben auf seinen *Kaffee* aufzupassen.“ War wohl mein Wunsch der Vater des Gedankens.

  2. Susanne (flicKwerk) Montag, 5. Dezember 2011 um 21:37 Uhr [Link]

    Schön, klingt, als müsste ich den Schmöker unbedingt haben! „hemmungslos drauflosfabuliert“.sowas mag ich!….grins

  3. Cassionetta Samstag, 10. Dezember 2011 um 01:10 Uhr [Link]

    Hihi, war auch mein erstes Ebook, habe aber keinen Reader und habe es eher gekauft weil nichts zu lesen und freier Sonntagnachmittag. Absoluter Volltreffer.

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