Sascha Lobo: Strohfeuer

Ich-Erzähler Stefan gründet zu Beginn des neuen Jahrtausends zusammen mit seinen Freunden („Freunden“) Thorsten und Philipp eine Agentur für Unternehmenskommunikation, Werbung, Internet und so weiter. Ihre Kunden sind die Dotcoms. Stefan und Thorsten haben eine unglaublich große Klappe und keinerlei Skrupel, sie wollen das große Geld, Frauen und schnelle Autos, und das kriegen sie auch, mit Geschwätz und miesen Tricks. Stefan hat eine Freundin, Lena, die er liebt, eine Nebengeliebte, Sandra, in die er verliebt (oder verknallt) ist, und darüber hinaus vögelt er, was nicht bei drei auf den Bäumen ist. Er ist, kurz gesagt, ein rechtes Arschloch und hält sich für den Mittelpunkt der Welt. Obermacker Thorsten ist ein noch schlimmerer Arsch, Philipp hingegen ist stiller und läuft eher so mit. Und macht einen am Ende wahnsinnig. Überhaupt, das Ende: großartig. Dass die Dotcomblase geplatzt ist, wissen wir ja, und für seine Figuren kriegt Sascha Lobo wunderbar die Kurve. Eben weil Philipp einen wahnsinnig macht. Und weil Stefan einen wahnsinnig macht. Bis dahin hat man einen sehr kurzweiligen, sehr lustigen und unterhaltsamen Roman gelesen. Und deswegen gilt dieser Eintrag auch für den beim Bücherstöckchen übersprungenen

    Tag 13 – Ein Buch, bei dem du nur lachen kannst.

Sprücheklopfen ist Sascha Lobos Metier, und hier sind sie wunderbar getimet. Ich habe, was mir selten passiert, sogar über die Slapstickszenen gelacht. Das mit dem Schwein! Also die zweite Schweineszene, unfassbar. Und solche Details wie das farblich zur Bar passende Schnittchenkonzept. Oder die Verwendung des Worts „Hitler“. Hat mir sehr gefallen.
Ich hatte erwartet, dass es möglicherweise schwierig werden würde, Sascha Lobo und seine Figur Stefan auseinanderzuhalten. War es aber gar nicht. Natürlich ist Sascha Lobo ebenfalls ein Poser und Schwätzer und Selbstdarsteller, davon lebt er. Und Stefans Geschichte dürfte nah an seiner eigenen dran sein. Aber er ist nicht so ein Arschloch und geht nicht über Leichen. Glaube ich. So gut kennen wir uns nicht, aber ich mag ihn, sonst hätte ich das Buch wahrscheinlich nicht gelesen. Und da hätte ich was verpasst.
Sascha Lobo wird im Regal zwischen Robert Littell und David Lodge wohnen.

Mehr dazu bei Katy (auf Englisch).

Sascha Lobo: Strohfeuer. Rowohlt Berlin, 288 Seiten, 18,95 €

(Danke an Sascha und Rowohlt Berlin für das Rezensionsexemplar!)

NACHTRAG: Ach ja, Ijoma Mangold hat das Buch bei den „Vorlesern“ besprochen. (Hihi.)

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