Wolf Erlbruch: Ente, Tod und Tulpe

Eines Tages merkt die Ente, dass sie nicht allein ist: der Tod ist bei ihr. Er folgt ihr auf Schritt und Tritt, er behauptet sogar, schon ihr ganzes Leben bei ihr zu sein. Die Ente bekommt erstmal einen gehörigen Schreck. Aber dann spricht sie mit dem Tod, er erklärt ihr, wer er ist, und es stellt sich heraus: eigentlich ist er ganz nett. Er kommt auch nicht, um sie tot zu machen, denn „dafür sorgt schon das Leben“. Die beiden tun zusammen Entendinge, sie schwimmen, wärmen sich nachts und unterhalten sich darüber, wie die Ente sich das Totsein vorstellt. Und sie machen noch etwas Aufregendes. Und schließlich endet es, wie es enden muss, wenn der Tod einen schon eine Weile begleitet. Aber irgendwie ist das nicht mehr so schlimm.
Das Buch gibt keine Antworten und stellt keine Behauptungen auf, es folgt keiner Religion und fabuliert nicht irgendwelche Tröstlichkeiten herbei. Wir wissen hinterher immer noch nicht, ob die Ente in einen Entenhimmel kommt oder was mit ihr passiert. Aber der Tod ist der Ente zu einem Freund geworden, er ist die ganze Zeit bei ihr, er begleitet sie, spricht mit ihr, er hat sogar Humor, und am Ende schenkt er ihr seine Tulpe – die außer im Titel übrigens ausschließlich auf einigen Bildern auftaucht. Im Text wird sie kein einziges Mal erwähnt. Und die Bilder von Wolf Erlbruch sind mal wieder, wie die Bilder von Wolf Erlbruch eben sind: schlicht und wunderschön und irgendwie berührend. Weil der Tod, so schrecklich er aussieht, etwas so Liebevolles und Freundliches hat und so würdevoll mit dem Tod der Ente umgeht. Und weil auch auf den Bildern gar nicht viel mehr passiert, als dass die Ente und der Tod langsam Freunde werden. Was für ein wunderbares, wunderbares Buch.
(Was allerdings fehlt, sind Freunde und Familie der Ente, die kommen nicht vor. Ob sie sich auch mit dem Tod anfreunden können bleibt dahingestellt.)

Wolf Erlbruch: Ente, Tod und Tulpe. Kunstmann, gebunden.
Große Ausgabe: 30×24 cm, 14,90 €
Kleine Ausgabe: 15×13 cm, 9,90 €

2 Kommentare

  1. Kat Montag, 4. Oktober 2010 um 11:46 Uhr [Link]

    Awww. Ich fand das schon so schön als es rausgekommen ist. Vorallem weil das Buch eben nicht A) religiös und B) kitschig ist. Sondern einfach zauberhaft.

    Ich kann sehr gut nachvollziehen das es dir gefällt.

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